Die Zukunft ist analog.

von Markus Brogle

Tja, der Prophet im eigenen Lande…

Wer hat vor 20 Jahren wie ein Besessener angefangen Schallplatten zu sammeln?

Heute gab es ein bemerkenswertes Video von Tichys Einblick. Darin kam alles Mögliche zur Sprache. Nichts wirklich Neues – alles, was wir in unserer Blase nun bis zum Erbrechen durchhaben.

Auf die Frage kommend, wie wir allen diesen unsäglichen Entwicklungen entkommen mögen, kam von Saskia Ludwig, Abgeordnete im Landtag Brandenburgs für die CDU, der für mich auffällige Satz auf, der mich zu diesem Artikel drängte.

Die Zukunft ist analog.

Wir sind alle in unzähligen Chats unterwegs, haben noch unzähligere Kanäle abonniert und ertrinken in der digitalen Flut. Wir machen täglich dutzende Fotos, von denen man 100% ohne Verlust für die eigene Seele löschen könnte. Aber daheim, bei den Eltern liegen noch 78 Magazine mit Dias, die wir alle bis in ihre Farbschattierung auswendig kennen. Keines davon darf verloren gehen.

Ich habe über die Jahre 8 Terrabyte Musikdateien zusammengesammelt. Bis dahin habe ich das alles gehandelt bekommen. Dann hat mir ein Freund seine Festplatte mit weiteren 6 Terrabyte mit klassischer Musik gegeben. Jetzt sind es also 14 TB. Das packt kein System mehr. Kein Gerät in unserer Branche ist in der Lage diese schiere Menge einfach nur zu katalogisieren. Um das Hören geht es noch gar nicht, sondern einfach um die Möglichkeit eine Bibliothek zu erstellen. Ihr Multis aus der Musikbranche könnt Euch also sofort wieder beruhigen. Ich habe davon keinen Nutzen. Es ist zu viel.

Es ist, als ob man Durst hätte, mit dem Feuerwehrschlauch nass gespritzt wird und dann anschließend immer noch Durst hat.

Gleichzeitig habe ich ca. 2.500 analoge Schallplatten. Von jeder weiß ich einzeln, wo ich sie zu welchem Preis gekauft habe, oder von wem ich sie geschenkt bekam. Die TOTO IV stammt beispielsweise von Stefan Willmann, die er mir zu meinem  23. Geburtstag (anno 1999) geschenkt hat. Nicht von jeder, aber von den meisten kenne ich jeden Takt und weiß genau, wann der Knackser kommt, der auch nach der 19. Wäsche (ja Schallplatten kann man waschen) nicht verschwindet.

Nein ich schweife nicht ab. Wer das Video, was oben verlinkt ist, nicht geschaut hat, kann dem Gedanken wahrscheinlich auch nicht folgen.

Wir müssen das Digitale wieder aus unserem Leben – nicht entfernen – aber zurückdrängen. Ja, ich schreibe hier an einer digitalen Maschine und Ihr werdet diesen Artikel an einem digitalen Endgerät lesen. OK. Ich kann nicht wie Don Quixote gegen Windmühlen kämpfen – aber warnen.

Und was sagt nun Saskia Ludwig, Abgeordnete im Landtag Brandenburgs für die CDU? Wir werden uns, wenn die Apokalypse der Linken weiter über uns hereinbricht, analog treffen und unterhalten müssen. Natürlich können wir dann nicht mehr in Sekunden 10.000ende Follower erreichen. Aber was haben all die schlauen Influenzer unserer Blase mit ihren 100.000enden Abonnenten erreicht? Viel, zugegebenermaßen, aber zu wenig. Vielleicht, oder aus meiner Sicht ganz sicher, ist der digitale Weg der Falsche.

Ich will mich mit meiner Frau analog, in Anwesenheit von uns beiden, unterhalten. Wir sehen uns nicht oft und haben daher auf Telegram einen wunderbaren Chat. Aber die analoge Unterhaltung hat eine ganz andere Qualität.

Ein lieber Parteifreund tut sich schwer mit dem Schreiben und sendet daher viel lieber Sprachnachrichten. Ich kann seinen Punkt absolut verstehen, aber die digitale Kommunikation läuft nunmal anders. Nichts ist so sehr verhasst wie Sprachnachrichten. Daher treffen wir uns wenn möglich, monatlich zum analogen Austausch in irgendeiner Beiz.

Es hieß mal, dass sich die übrig gebliebenen Menschen nach dem 3. Weltkrieg wieder mit Knüppeln bekämpfen werden. Vollkommen richtig.

Aber vielleicht noch vorher wird es geschehen, dass wir als Opfer des  digitalen Krieges, all dem Canceln, gehackt und geleakt werden, uns wieder in die Augen schauen müssen. Nein, es ist kein Müssen – es ist ein sich danach Sehnen, Verlangen oder zumindest Wollen.

Wieso war der Kontrafunk nun nahezu flächendeckend für anderthalb Tage offline? Weil man digitale Verbreitung auch relativ einfach torpedieren kann. Der Kontrafunk braucht eine Sendelizenz. Woher auch immer und sei es nur auf Langwelle. Es ist ein Wortprogramm, da ist die Klangqualität in SuperDuperStereo nicht so wichtig.

Die Zukunft ist analog – jawoll!

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