Ist das sinnvoll?
von Markus Brogle
In einer Interviewreihe, in der Armin-Paul Hampel den Ehrenvorsitzenden der AfD, Alexander Gauland interviewt kommen die beiden auf Björn Höcke zu sprechen, welche Rolle er in der Partei spielte, spielt und künftig spielen sollte.
In diesem Zusammenhang fällt ein bemerkenswerter Satz (bei Minute 35:08), der mich aufhorchen ließ. Gauland bezeichnet Höcke als einen Nationalromantiker, der das deutsche Volk gelegentlich mehr liebt, als es das verdient hat.
Stark. Ein sehr starker Punkt, den Gauland da in einem ansonsten eher schwachen Gespräch macht. Den wesentlich stärkeren Part spielt im Interview ansonsten nämlich Armin-Paul Hampel. Das kann aber auch von meiner rosaroten Brille bezüglich Hampel geprägt sein, mag ich ihn doch schon sehr lange, länger als seine politische Laufbahn. Aber zurück zum Punkt, den Gauland macht.
Die Nationalromantik.
Neulich postete ein Parteifreund zum Geburtstag von Bismarck am 1. April eine Gratulations-Kachel der Jungen Alternative. Aha, ein Lebenszeichen der JA – sehr schön. Aber wie üblich thematisch sehr eingleisig auf den Schienen des Instituts für Staatspolitik des Götz Kubitschek in Schnellroda und dessen Verlag Antaios fahrend.

Und wie es sich für eine Einschienenbahn gehört, funktioniert diese nur mit einem gleichzeitig starken Kreiselsystem stabil, ansonsten fällt sie um. Wenn also der Nationalromantizismus allein als Standpunkt für konservatives Handeln nicht ausreicht muss als zweites Gleis noch etwas anderes her. Dazu weiter unten im Artikel.
Warum kann die Nationalromantik kein sinnvolles Alleinstellungsmerkmal politischen Handels sein?
Dafür bedürfte es einer Nation, die funktionierend ist. Das war Deutschland noch nie, ist es nicht und wird es auch niemals sein. Eine stabile Nation kann sich nicht aus sich selbst heraus definieren und sich selbst erschaffen oder einfach von einem Balkon ausgerufen werden. Eine Briefmarke kann nicht zu sich selbst sagen, dass sie eine Briefmarke ist. Jemand anderes muss sie dazu machen und sie mit den Eigenschaften einer Briefmarke ausstatten.
Die Stabilisierung einer Nation kommt von anderer Seite.
Im Buch Genesis lesen wir, wie Gott die Welt ins Dasein rief. Er machte Himmel und Erde, er trennte die Wasser vom Land, er erschuf die Sonne und die anderen Lichter am Firmament, er schuf die Pflanzen sowie alles Getier, ein jedes nach seiner Art. Die Größe, die er dem dann geschaffenen Menschen verlieh, kommt allein dadurch zum Ausdruck, dass Gott dem Adam ganz zu Anfang den Auftrag gibt, all dem Getier zu Wasser, zu Lande und in den Lüften, Namen zu geben. Der Elefant ist also nicht von sich aus ein Elefant. Nein, dieser Name wurde ihm gegeben. Die ganze Schöpfungsgeschichte ist so reich an tiefen Weisheiten, dass sie fast schon allein deshalb wertvoller ist, als all die vermeintlich wissenschaftlichen anderslautenden Theorien über die Entstehung der Welt. Es lohnt sich zumindest dringend, sagen wir mal für 14 Tage, wirklich fest daran zu glauben, dass alles so entstand wie es das Buch Genesis aussagt. Da ist mehr Wahrheit und Tiefe drin, als man zunächst annehmen möchte.
Eine sehr bemerkenswerte Stelle ist jene, an der zig mal „ein jedes nach seiner Art“ wiederholt wird. Nicht abartig, aus der Art schlagend, sondern innerhalb der gehörigen Verhaltensweisen – der Art entsprechend. Naturgesetz pur. Das hat noch gar nichts mit Religion zu tun, sondern einfach nur mit Logik. Wo sind wir dagegen heute? Je abartiger – aus der Art schlagend – umso besser, berühmter, wichtiger – und ja: erfolgreicher und damit reicher. Ekelhaft.
Zurück zur Nation.
Sie kann sich nicht selbst erschaffen – sozusagen als Ursprungsprinzip definieren und sich selbst Zweck genug sein. Das ist logisch nicht möglich.
Nein, sie dient dem Menschen, und nur ihm, sich vernünftig zu organisieren. Nicht mehr und nicht weniger. Der Nation eine inhaltliche und sinnstiftende Wirkung zuzusprechen, wird ihr nicht gerecht. Man überhöht sie damit zunächst in vielleicht guter Absicht willentlich, aber der eigentliche Effekt ist ihre Zerstörung, da man ihr mehr aufbürdet, als sie leisten kann.
Die Nation kann keinen Sinn stiften, keine Wegmarken des prosperierenden Zusammenlebens aufstellen. Sie kann nur über Einschränkungen und Regeln dem Zusammenleben eines Volkes behilflich sein.
Ähnliches tun die 10 Gebote auch. Aber deren Beachtung schränkt den Menschen nicht ein, sie befähigen ihn vielmehr erst dazu, seine Seele und damit am Ende auch die Tatkraft des Menschen zu beflügeln und ihn in rechter Weise handeln zu lassen.
Staatliche oder eben nationale Wegmarken sind dagegen immer Einschränkungen und Verbote, die die Flügel stutzen. Somit ist die Überhöhung der Nation eigentlich etwas Linkes, kann doch über den Umweg eines Begriffes die gesamte Verbots- und Einschränkungspolitik der Linken in Ihrer menschenunwürdigen Wirkung damit einfach auf einen Begriff projiziert werden und die eigentlichen Protagonisten aus dem Schussfeld nehmen.
Zwei Abschnitte weiter oben fiel der Begriff Volk. Ein solches gibt es nicht mehr. Das ist sogar ausnahmsweise mal nicht die Schuld der Ampel. Das gibt es in den westlichen Zivilisationen schon lange nicht mehr. Ob der Fernseher oder das Flugzeug (oder noch etwas davor die Ozeandampfer) daran schuld sind ist müßig. Wer Politik machen will, muss sich jedenfalls mit den vorliegenden Gegebenheiten auseinandersetzen und Fehlentwicklungen umkehren, kann aber nicht idealistisch die Realität ignorieren.
Interessanter Nebenaspekt: Hierzulande lehnt man es überall ab, von der Nation oder Nationalstaaten zu sprechen. Rückt aber irgendeine UNO-Organisation irgendwo im tiefen Busch ein, ist das oberste Ziel zunächst das Nationbuilding der bislang in Stämmen organisierten Ureinwohner. Schon komisch… Kann man die dann, wenn sie wenigstens ein bisschen organisiert sind, einfacher bekämpfen und ausbeuten?
Ich schweife schon wieder ab. Das Abendland ist christlich geprägt und das Christentum lehnt Nationalstaaten nicht ab. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Aber noch im gleichen Satz heißt es auch: … und Gott, was Gottes ist. Nämlich Euer Innerstes, Eure Überzeugung, das Rechte zu tun. Das kann dem denkenden Menschen niemals der Staat sagen – und wenn er dies geschafft hat, endet es immer in einer Katastrophe. Sei es der Nationalsozialismus, der Kommunismus oder in etwas kleinerem Maßstab der jüngst erlebte Coronaismus.
Nein, Führung und Leitung des Menschen kann nur von einer Macht sinnvoll gegeben werden, die von nichts mehr überstiegen werden kann.
Noch kurz zum zweiten Teil, des Gaulandschen Satzes, dass Höcke das deutsche Volk zuweilen mehr liebt, als es das verdient hat. Ob Höcke oder ein anderer ist dabei nebensächlich. Aber so blöd, wie sich der Rest des einst so stolzen deutschen Volkes momentan anstellt und sich gängeln lässt, braucht es die nächsten zwei Generationen vielleicht tatsächlich weniger mit rosaroter Brille ausgestattete Liebeszuwendung, sondern eine bisschen korrekte „Führung“ auf den richtigen Pfad zurück. Ob die allerdings von atheistischen, freimaurerischen und sich nicht dem Naturrecht unterwerfenden Politikern – auch und gerade in der AfD – geleistet werden kann und soll, bleibt eine offene Frage.
Bild der Einschienebahn von Wikipedia. Link zur Bilddatei.
Beitragsbild von Peter H auf Pixabay.

