Von den mitlaufenden Kleingeistern

Ich habe vor knapp einem Jahrzehnt dieses Lügenmaul, den Fernseher, aus dem Fenster geworfen – und vermisse ihn seither keine Sekunde.

Zumindest nicht das lineare Fernsehen. Über neumodische andere bildgebende Smartdevices konsummiert man dann aber doch mal das ein oder andere Bewegtbild. So auch gestern. Wobei sich außer den Mündern von Henryk M. Broder und Reinhard Mohr nicht viel bewegte, lasen Sie doch aus Ihrem Buch Durchs irre Germanistan – Notizen aus der Ampel-Republik ein paar kurze Stücke im Rahmen einer Lesung bei der Bibliothek des Konservatismus vor.

Die Stelle ab Minute 24:40 hat es mir besonders angetan, kommt doch da ein Gedanke, den ich so nicht zu Ende gedacht habe. Den will ich Euch nicht vorenthalten.

Nicht nur Reinhard Mohr bemerkt eine merkwürdige Veränderung der Sprache. Ein Thema, dass wir alle auf die viel zu leichte Schulter nehmen. Denn nur so funktioniert die Transformation der Gesellschaft. Als ich dieses Thema andernorts an den Beginn meiner Rede gestellt hatte, wurde ich rüde kritisiert, dass wir doch wohl größere Probleme hätten.

Momentan vielleicht schon, aber das ist ein Phänomen, das unseren gesellschaftliche Zusammenhalt über Generationen beeinflussen wird. Eine vernünftige Regierung kann die momentanen Krisen relativ schnell lösen. In den meisten Fällen ist das eine reine Vernunfts- und hier und dort sogar nur eine Geldfrage.

Nun aber zurück zum Gedanken des Reinhard Mohr, der so kraftvoll ist, dass er den Gutmenschen eigentlich den Boden unter den Füßen wegziehen müsste. Die Ausfaltung des Gedankens braucht ein paar Zeilen, danach werdet Ihr aber das Medium, auf dem Ihr diesen Artikel lest erst mal ein paar Augenblicke weglegen müssen, um wieder Luft zu bekommen.

Er bemerkt verschiedene Typen von Benutzern der geschlechtergerechten Sprache: da sind die 100%igen, dann die, die sie ab und zu mal benutzen. Einzelne reden dann von Schornsteinfegenden und Fußgänger_Innen.

der Opportunismus der Mitmachenden

Er stellt einen Opportunismus der Mitmachenden fest. Ein furchterregendes Spießertum, dass sich vor allem da herausgebildet hat, wo der kritische Geist eigentlich zu verorten ist: im akademischen Milieu, bei den grünen Freunden des Fortschritts und in den Medien. Es regt ihn fast schon auf, wie unterschiedlich, widersprüchlich und inkonsequent das Gendern gehandhabt wird.

Kleine Randbemerkung: das könnt Ihr nicht sehen. Ich schreibe in einer recht alten Word-Version, die mir das Wort Gendern rot unterstrichen (als falsch geschrieben) darstellt. Ich werde den Teufel tun, die rechte Maustaste zu drücken, um Gendern dem Wörterbuch hinzuzufügen.

Zurück zum Thema:

Mohr fällt auf, wie vielen professionellen Sprechern mittlerweile der Glottisschlag zwischen Mieter und Innen leicht von der Zunge geht – sie beherrschen in souverän.

Das Strebertum verfolgt dabei nur ein Ziel: absolut und wirklich gar nichts falsch zu machen, kein falsches Wort zu gebrauchen und keinen Gedanken zu äußern der nicht zur einzig richtigen Haltung passt, die die Mehrheit der Meinungshabenden fordert.

Es ist, so Mohr, der Triumph des kleinen Geistes, der sich auf großer Fahrt wähnt. Das alles erinnere nicht nur zufällig an Heinrich Manns Roman Der Untertan.

Der Protagonist dort, Diederich Heßling, wird zunächst beschrieben als verträumtes Kind, dass später nicht oft genug ein hoch auf den Kaiser, er lebe hoch, hoch, hoch rufen konnte.

Ein halbes Jahrhundert später hätte er wahrscheinlich jeden seiner Sätze mit Heil Hitler umrahmt.

Wer, so fragt Mohr, legt die Hände dafür ins Feuer, dass die modernen, mitlaufenden Radiomoderatoren nicht dasselbe getan hätten, wären sie unter dem Führer groß geworden – und nicht unter Angela Merkel?

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Soweit der Gedanke des Reinhard Mohr. Danach musste ich mich erst mal setzen.

Uns wird ja gern das Drama Biedermann und die Brandstifter des Schweizer Schriftstellers Max Frisch unter die Nase gehoben. Es ist Zeit zu erkennen, wer hier die Brandstifter sind. Ihr Mitlaufenden bei den Demos gegen Rechts lasst Euch von der Regierung zum Mitmachen anstacheln. Offensichtlich seid Ihr die offizielle Nachfolge des Großteils der Bevölkerung, der seinerzeit dem Führer huldigte!

Nie wieder

Wie anders ist denn NIE WIEDER zu verstehen, als dass man sich nie wieder auf Geheiß von offensichtlich verblendeten Führern vor einen Karren spannen lässt?

Foto von No Revisions auf Unsplash

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