Begriffsklärung erster Teil: die Solidarität

von Markus Brogle

In einer neuen, losen Reihe kläre ich Begriffe für mich. Nicht wissenschaftlich genau oder sauber recherchiert, sondern vielleicht hin und wieder – und diesmal ganz sicher – auch ein wenig humoristisch.

Heute also die Solidarität.

Ja mit bestimmtem Artikel. Aber dazu weiter unten mehr.

Neulich, ich war mit meiner Frau unterwegs, habe ich sie endlich verstanden. Nein nicht meine Frau. Das wird mir nie gelingen – und das macht unsere Ehe ja auch so reizvoll. Nein die Solidarität habe ich jetzt endlich kapiert. Wir waren also unterwegs. Mit dem Auto. Einem stinkenden Diesel.

Ich fahre grundsätzlich jede, auch mir bekannte Strecke mit dem Navigationssystem „Apple Karten“. Nein ich kann mir kein Apple-Handy leisten. Es ist das Geschäftshandy. Ihr könnte Euch also wieder beruhigen. Und dass mich dieses Mistvieh nicht nur ständig mit Kundenanrufen nervt, sondern auch meine Bewegung trackt, kann ich nicht ändern.

Aber dieses Tracking hat auch sein Positives. So ist diese Navi-App für mich Gold wert, da sie (wie auch andere Apps) sieht, dass da mitten auf einer deutschen Autobahn mehrere Handys bewegungslos im Abstand von 10 oder 15 Metern vor sich herlungern. Das muss folgerichtig ein Stau sein. Das Funktionsprinzip ist also durchaus primitiv – deswegen aber trotzdem nicht minder faszinierend.

Und so stehe ich auf meinen knapp 60.000 km im Jahr so gut wie nie im Stau. Es sei denn die App entscheidet, dass es sich nicht lohnt, wegen 5 Minuten Verzögerung raus zu fahren. Seit ein paar gescheiterten Versuchen, bei denen ich glaubte schlauer wie dieses Ding zu sein, vertraue ich der App blind.

Und so kommt es dann in der Folge öfter dazu, dass es in meine Richtung gut läuft, aber auf der Gegenspur Stau ist. Juckt mich ja nicht.

Es trifft mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Und da, nach 47 Jahren Dasein auf diesem schönen Planeten kam es mir wie ein Blitz. Eigentlich ist es doch unfair, auf der Gegenspur mit 160 km/h dahinzubrettern, während meine Zeitgenossen gegenüber dumm im Stau stehen müssen. In den allermeisten Fällen dazu noch völlig grundlos. Das machen die nicht zum Spass. Die wollen auch nach Hause.

Die Lösung – solidarisch sein

Man könnte doch jetzt einfach abbremsen, sagen wir auf 20 km/h – das ist etwa die Geschwindigkeit von stockendem Verkehr – und dann aus dem geöffneten Fenster irgendeine Solidaritätsbekundung abgeben. Sei es eine Fahne schwenken, ein Solidaritätstaschentuch, oder mit einem wahnsinnig lauten Lautsprecher rüberrufen:

„Ich solidarisiere mich mit Euch!“

Ich bitte um Designvorschläge für eine solche Fahne. Das wird ein Renner. Wie jeder Influenzer muss ich mir schließlich bei wachsendem Erfolg so langsam Gedanken über sinnvolles Merchandise machen.

Na, wem dämmerts?

Es ist die exakte Beschreibung von Solidarität. Ich glaube präziser geht es nicht. Falls doch – die Kommentarspalte unten ist offen.

Einfach nur Bullshit und Unsinn bei gleichzeitiger Verhöhnung des tatsächlichen Leidens anderer. Oder noch besser:

Solidarität ist nichts anderes, als die kulturelle Aneignung des tatsächlichen Leidens anderer.

Und da kommen wir zum Punkt, warum es DIE Solidarität heißt und nicht anders. Verstehe einer die weibliche Seite des Universums…

Ein weiterer, sicher sinnvoller Vorschlag zur Solidarisierung:

Ich könnte mich einfach aus Solidarität scheiden lassen. Um mich herum, in meiner Bekannt-, Verwandt- und sonstigen -schaft ist mir kaum eine noch nicht geschiedene Ehe bekannt. Das würde auch gleich meinen Kindern helfen. Sie könnten sich viel einfacher mit Ihren Kameraden, die nahezu alle Scheidungskinder sind, solidarisieren.

Ein kleiner Gruß an meine Frau:

keine Sorge – ich liebe Dich!

Bild von Stefan Schweihofer auf Pixabay.

4 Antworten zu “Begriffsklärung erster Teil: die Solidarität”

  1. Deine Frau hat lange nicht mehr so gelacht.

    Ob du willst oder nicht, das wird deine Frau einfach teilen. Ich weiß, du hasst Weiterleitungen, doch ich halt nicht. In DIESEM Fall wird es dir bestimmt sogar gefallen, wenn ich mich mit deinem Artikel solidarisiere und anderen den Link verschicke, ganz unkreativ den Link verschicke. Denn diesem Beitrag ist meinerseits nichts mehr hinzuzufügen – oder doch… : ICH LIEBE DICH!

  2. Kommantar von Hartmut Amann:
    Ich solidarisiere mich mit dem ernsthaften Humoristen unter einer Bedingung: er muss mir für die nächsten sieben Wochen seine Ehefrau überlassen. Aus Solidarität mit einem Verlassenen.
    Ja, ich bin nicht nur von allen guten Geistern, ich bin auch von meiner geliebten Verlobten verlassen worden. 7 Wochen bei dir, sieben Wochen bei mir, wäre das nicht ein deutliches Zeichen deiner Solidarität? Von den übrigen 7 Millionen verlassener Männer wollen wir jetzt lieber nicht reden. Sonst kommen wir noch die Tränen.

  3. Kommentar von U.D. (Name der Redaktion bekannt):
    Solidarität heißt, eigentlich fremdes Problem zu seinem eigenen zu machen.
    🤔 .. und da liegt Hajajai mein Problem, denn das Männerpissoir beweist, daß Reih und Glied und Schulterschluß noch keine Solidarität bedeuten.🥳😂

    Sau gut geschrieben , großes Lob 👍

  4. Danke für die Blumen. Fühlt sich immer gut an, wenn einen die Muse küsst.
    Wenn ich ein fremdes Problem mir zu eigen mache, habe ich aber auch den Antrieb, dieses zu lösen. Schon allein aus Selbstschutz. Diesen Aspekt spüre ich im uns ständig vorgehaltenen Begriff der Solidarität nicht. Eher im Gegenteil. Das Gefühl des gemeinsamen Leides soll durch die Schaffung von Gemeinschaft in seiner Dimension erträglicher fühlbar gemacht werden und in melancholischer Verklärung genossen werden. Die Lösung des Problems ist, so höre ich das Wort immer, nicht der oberste Antrieb. Liege ich da falsch?

Hinterlasse eine Antwort zu Markus Brogle Antwort abbrechen