CO2

So ihr lieben, jetzt wird grechnet.

von Markus Brogle

Bild von Ramon Perucho auf Pixabay

Ich kaufe mir einen gebrauchten Citroën C6 mit 2,7 Liter 6-Zylinder Diesel-Motor.

Die Produktion

Die Produktion eines Mittelklassewagens emittiert ca. 8 Tonnen CO2, die eines Luxus-SUVs ca. 25 Tonnen. Der C6 bewegt sich irgendwo dazwischen – sagen wir 15 Tonnen. Das ist nun schon 19 (!) Jahre her.

Mein Freund, der Baum

In Deutschland stehen ca. 90 Millarden Bäume, davon knapp 8 Millarden mit einem Brusthöhendurchmesser über sieben Zentimeter. Solche Bäume absorbieren pro Jahr jeweils ca. 25 Tonnen CO2, ausgewachsene sogar deren 48. Wir rechnen konservativ mit 25 Tonnen.

Wir sind 84 Millionen Einwohner in Deutschland. Von den ausgewachsenen Bäumen sind also ca. 95 Tausend für mich persönlich zuständig und können – das ist kein Scherz – ca. 2,4 Millionen Tonnen CO2 nur für meinen privaten Bedarf absorbieren. Dass ich hierbei die Industrie und das Gewerbe zunächst ignoriere ist schon klar, aber das betrachten wir zum Schluss.

Fahrleistung

Der wunderbare Motor des C6 verursacht eine CO2 Emittierung von 230 g je Kilometer. Der Wagen hat bereits 230.000 km auf der Uhr, die jemand anderes gefahren ist. Ich werde ca. 10.000 km im Jahr fahren.

Man nennt sowas Textaufgabe. Alle angaben stehen im Text. Jetzt geht es darum eine Frage für den Schüler zu formulieren.

Die Frage

Bin ich ein Umweltsünder, wenn ich mir ein vor 19 Jahren produziertes Auto kaufe, dass nach heutigen Standards zu viel CO2 emittiert?

Dazu müssen noch ein paar weitere Informationen her.

Die Produktion eines vergleichbaren Elektroautos (Electric Vehicle – kurz EV)

Schwedische Experten weisen mit ihren Berechnungen nach, dass die Produktion einer einzigen Lithium-Ionen-Batterie CO2-Emissionen von 150 bis 200 Kilogramm pro Kilowattstunde freisetzt. Ergibt bei einem 80kwh-Akku (das braucht man schon für eine anständige Limousine) demnach schon allein ca. 16 Tonnen, da ist das restliche Auto noch gar nicht dabei. Geben wir dem EV hier einen kleinen Vorsprung und rechnen also mit 20 Tonnen für das ganze Auto.

Der Strommix

Da wir in Deutschland immer noch von einem Strommix mit CO2-Beteiligung (Kohle, Gas) ausgehen müssen, hat die Autobild einen CO2-Ausstoß von ca 115 gramm pro Kilometer errechnet – also ziemlich genau die Hälfte meines alten Diesels.

Die Betriebsdauer eines EV

Außerdem müssen wir davon ausgehen, dass ein EV nach 160.000 km am Ende ist. Das sagen die allermeisten Experten. Die Karosse wäre noch OK, der Akku aber nicht mehr. In den meisten Fällen handelt es sich damit um einen wirtschaftlichen Totalschaden. Hinzu kommt, dass die Batterietechnik nach 8 Jahren nicht mehr die gleiche ist wie zur Produktionszeit des Ursprungsautos und es somit auch technisch keinen Sinn macht, einen zweiten Akku für sein geliebetes Schätzchen zu kaufen. Wir geben nochmal ein bisschen Vorsprung und rechnen mit dem Ableben nach 200.000 km. Ein Diesel kann locker 400.000 km fahren – oder noch viel mehr.

Jetzt müssten wir alle Variablen haben.

Eine kleine primitive Excel-Tabelle bringt erstaunliche Zahlen zu Tage.

Der C6 hat in seinem Leben bisher 67,9 Tonnen CO2 emittiert. Jedes Jahr kommen dann nochmal 2,3 Tonnen hinzu.

Ein EV würde im ersten Jahr (mit dem Bau) bereits 21,1 Tonnen CO2 emittieren. Hier kämen jährlich 1,15 Tonnen hinzu.

Den C6 gibt es aber bereits. Was kann ich dafür, dass ihn mal jemand als Neuwagen gekauft hat und auch schon 230.000 km damit abgespult hat. Seien wir doch froh, dass für mich kein neues Auto produziert werden muss und ich den Wagen einfach weiter fahre.

Der Schnittpunkt, ab dem das EV in der Umweltbilanz überholen würde, gesetzt den Fall ich würde einen gebrauchten C6 und ein neues EV dazu kaufen – und somit jeweils nur 5.000 km pro Auto und Jahr fahren – kommt erst nach 36 Jahren und jeweils 180.000 Kilometern (also kurz vor oder schon nach dem Exitus des Akkus).

oder wir lassen es und werden reich

In einem anderen Bericht hatte ich auch schon geschrieben, wie ich reich werden könnte. Hier nochmal kurz zusammengefasst. Das Bundesentwicklungsministerium hatte neulich 315 Millionen Euro nach Peru gegeben, damit dort Radwege und andere umweltschonende Infratrukturprojekte gefördert werden können. Auf diesen Unsinn angesprochen antwortete Svenja Schulze: jede Tonne CO2 zählt.

Das ist also die Währung: Zur Einsparung einer Tonne CO2 gibt die Bundesregierung notfalls bis zu 315 Millionen Euro aus. Ich werde den C6 also nicht kaufen, 2,3 Tonnen CO2 einsparen und stelle dem Bundesentwicklungsministerium für Inneres (muss noch gegründet werden) eine Rechnung über 724,5 Millionen Euro. Sollte das klappen, lade ich Euch alle auf eine Kugel Eis ein. Die eine Kugel Eis, die Euch der ganze Mist laut Jürgen Trittin kostet.

zurück zu meinem CO2-Fussabdruck.

Mir stehen laut obiger Rechnung pro Jahr (anhand der Zahl vorhandener Bäume)  2,4 Millionen Tonnen CO2-Emittierung zu. Pro Jahr. Selbst wenn ich das – nicht von mir persönlich zu verantwortende – Vorleben des C6 komplett im ersten Jahr der nun folgenden Nutzung auf mein persönliches CO2-Konto nehme, habe ich noch 2.399.929,8 Tonnen übrig. Die schenke ich, großzügig wie ich bin, dem Gewerbe und der Industrie und den Vielfliegern und allen anderen.

Einfach mal ein bisschen Rechen- und Denksport machen. Das macht Spaß! Dann merkt man schnell, dass man nur hinters Licht geführt wird. Ganz außer Acht haben wir ja noch gelassen, dass sich die Natur über das CO2 freut und sie es uns mit einer global messbar angewachsenen Grünfläche dankt.

Ach, wisst Ihr was? Ihr könnt mich mit dem Thema am Arsch lecken.

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