von Markus Brogle
In meinem weiteren Umfeld gibt es einige Leute, die sich nicht trauen, die AfD zu wählen oder gar dort Mitglied zu werden. Sie setzten größte Hoffnung auf die WerteUnion und konnten es kaum erwarten, dass dieses Schiff in See sticht.
Nun, es ist nicht in See gestochen, sondern auf einem gemütlichen Kaffedampfer bei Remagen auf dem Rhein herumgeschippert. Ja ich verwende die Vergangenheitsform. Aber eines nach dem anderen.
Warum kam Maaßen nicht zur AfD?
Die vergangenen Jahre haben wir uns doch alle dieselbe Frage gestellt: warum kommt Maaßen nicht zu uns. Wir hätten ihm einen schönen Empfang beschert. Er hätte nicht wie jedes Neumitglied erst mal jahrelange Plakate kleben, Flyer verteilen und sich die Füße an Infoständen platt drücken müssen. Schon dieses Moment hätte alle stutzig werden lassen müssen.
Nein, er macht sich auf den Weg, eine eigene Partei zu gründen. Brandmauern gebe es keine und erste inhaltliche Äußerungen deuteten an, dass eine Zusammenarbeit durchaus in greifbare Nähe rücken werde. Wer mich kennt weiß, dass ich diese Projekte, also sowohl die WerteUnion selbst als auch eine Zusammenarbeit mit uns, von Anfang an kritisch sah.
Er war ja Präsident des Verfassungsschutzes, und hat in jener Zeit garantiert genügend gesammelt, um in einem kritischen Moment der Zusammenarbeit AfD-Leute fertig machen zu können – oder zumindest zu wollen.
Soweit die Vorgeschichte. Dann kommt der letzte Samstag, an dem sich aus dem Verein WerteUnion heraus die Partei gleichen Namens gründete. Auf einem Kaffeedampfer in Remagen nahe Bonn. Den Coup mit dem Schiff fand ich noch einigermaßen clever, konnte man da in Ruhe und ohne Störung von Gegnern Tatsachen schaffen.
Dann die Pressekonferenz. Bitte in Gänze anschauen. Nach den Aussagen von Maaßen dort wollen sie sich als altmodische Bonner Partei geben, sich ausschließlich dem Westen andienen und sehen die CDU als Premiumpartner. Sie wollen mit allen reden, die ihren Inhalten zu einer Mehrheit verhelfen und spielen nicht auf Platz sondern auf Sieg.
Soweit die zitierbaren Aussagen, die wir die letzten Wochen alle bis zum Erbrechen gehört haben und die jede einzeln einen eigenen Artikel verdient hätten. Allein die Westorientierung muss doch mittlerweile jeden vernunftbegabten Menschen zum Nachgrübeln bringen. Wer weiß, welch üble Gestalten, die sich sonst immer in Davos treffen, bereits Einfluss auf Maaßen genommen haben.
CDU als Premiumpartner
Er bezeichnet die CDU als Premiumpartner. Das ist an Hohn und Spott gegenüber allen potentiellen Wählern der WerteUnion nicht zu überbieten. Genau diesen Zusammenhang will der Wähler der WerteUnion ja aufbrechen. Er will die alten Inhalte der Union, die diese spätestens seit Merkel aufgegeben hat, in einer neuen Partei zur Umsetzung gebracht sehen.
Mit der Union ist aber keine vernünftige Politik mehr zu machen. Zu sehr haben sie sich von den Grünen einlullen lassen, dass es für sie keinen Weg mehr in Richtung Mitte oder gar Mitte-Rechts gibt. Und dann erklärt Maaßen, dass es sein Wunsch sei, mit der Union zu koalieren. Egal was man diesem Mann zu rauchen gegeben hat, schmeiß das Zeugs weg.
Maaßens Hybris
Gleichzeitig äußert er in einem anderen Interview größte Bedenken, wenn die AfD demnächst einen Innen- oder Justizminister oder gar den Ministerpräsidenten stellt.
Ich kann daher die AfD, vor allem die drei sich im Wahlkampf befindlichen Landesverbände, nur dringend davor warnen, sich Maaßen zu sehr an den Hals zu werfen. Der Mann hat die Hybris, selbst bei 5% zu 40% den Ministerpräsidentenposten für sich einzufordern. Jedenfalls sollte die AfD nicht weiter den Weg der Selbstaufgabe und des Kreidefressens beschreiten, nur um Maaßen schöne Augen zu machen.
Eine Totgeburt
Ich bleibe bei meiner Prognose von vor mehreren Monaten: das wird nichts – eine Totgeburt.
Diese Prognose scheint sich ja auch tatsächlich zu bewahrheiten. Krall und Otte sind gestern mit krachenden Statements aus der Partei ausgetreten. Die anderen, die Maaßen noch aufbieten kann, versuchen jetzt die Aussage der CDU-Premiumpartnerschaft zu relativieren und behaupten, das sei Sarkasmus von Maaßen gewesen.
Von diesem Fehlstart wird sich die WerteUnion absehbar nicht erholen.
Die Social-Media-Community ist sich jedenfalls einig. Die Kommentare unter den Videos sagen einhellig: schade, dann bleiben wir eben beim Original. Gestern hat uns INSA bereits einen halben Prozentpunkt höher gesehen. Ich wette, nächste Woche sind es nochmal 2 Prozentpunkte.
Bild von Erich Westendarp auf Pixabay

