von Markus Brogle
Nun ist es also soweit. Mit einem Verein, der es sich zum Ziel setzt, eine demokratische Partei im linken Spektrum zu gründen, meldet sich Sahra Wagenknecht zurück auf dem wahrnehmbaren politischen Terrain.
Wer statt meines Berichtes zu lesen lieber die Pressekonferenz von gestern zur Gründung dieses Vereins anschauen möchte: hier der Link dazu.
Ähnlich wie das nach links Rücken der CDU die Parteigründung und das Wachstum der AfD geradezu heraufbeschwor (Zitat Strauß 1987: Rechts von der Union darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben!) hat das Komplettversagen der SPD schon lange vor Scholz (die Linke brauchen wir gar nicht erwähnen) das linke Spektrum ja nicht beerdigt. Bürgerlich und links werden sich immer etwa die Waage halten.
So ist diese Parteigründung nichts anderes als konsequent und eine Analogie zur Gründung der AfD – nur eben auf der anderen Seite des politischen Spektrums. Anders als die AfD wird sie auch von der ersten Minute an für ALLE Parteien koalitionsfähig sein und somit bei der nächsten Wahl für mehr Aufsehen und politische Konsequenzen sorgen, als es die AfD jemals können wird. Gehen Sie ruhig davon aus, dass Sahra Wagenknecht bereits nach der nächsten Bundestagswahl unsere nächste Außenministerin ist.
Wie komme ich zu dieser Einschätzung?
Das politische Programm ist bis hierhin noch relativ dünn – geschenkt. Auf der Homepage wird an mehreren Stellen nur die nachfolgenden vier Punkte recht vage umrissen. Auch in der Pressekonferenz hört man nur wohlfeile Worte – dafür sind die erste Vorsitzende Amira Mohamed Ali und das Vorstandsmitglied (es wird keine genaue Funktion bekannt gegeben) Sahra Wagenknecht Politprofis genug.
Wirtschaftliche Vernunft
Soziale Gerechtigkeit
Frieden
Freiheit
Das sind alles Platzhalter für die typische linke Inhaltsleere, die dem deutschen Wähler so gut gefällt. Eine Insa-Blitzumfrage sieht ein Potenzial von 27% an denkbaren Wählerstimmen.
Was man ihr zu Gute halten muss:
In der Corona-Krise war Sahra Wagenknecht die einzige politische Stimme, die auf den Fluren des Bundestages den ganzen Unsinn klar und deutlich benannte. Dies ist natürlich auch dem Umstand geschuldet, dass sie auch die einzige Kritikerin der Corona-Politik war, der man das Mikrofon ins Gesicht hielt. Alle anderen wurden ignoriert und diffamiert.
Warum freue ich mich irgendwie ein wenig?
Ich habe gern einen ernst zu nehmenden Gegner in einer Diskussion, nicht irgendwelche Flachpfeifen. Und dass sie ein politischer Gegner ist, wurde spätestens mit der oben verlinkten Pressekonferenz von gestern klar und deutlich herausgearbeitet. Berührungspunkte mit der AfD gibt es zwar, aber die Art der Themenbesetzung kann konträrer kaum sein.
Allerdings wird auch hier vieles heißer gekocht als gegessen. Auch vor Sahra Wagenknecht, der Lichtgestalt aller Linken, brauchen wir uns, wenn es denn thematisch zur Sache geht, nicht zu fürchten – denn da gehen bei den Linken – und somit auch ihr – schnell die Lichter aus.
Dazu exemplarisch nur ein Thema – herausgegriffen aus der Presskonferenz:
Wie alle links Verorteten hat auch Sahra Wagenknecht das Thema Vermögens- und Erbschaftsteuer nur aus populistischen Gründen auf dem Tableau. Sie redet non-stop vom Mittelstand und das wir diesen als Wirtschaftsmotor brauchen. Wahrscheinlich weiß sie aber gar nicht was das ist – der Mittelstand.
Ich empfehle ihr dringend einen Besuch bei Wolfgang Grupp in Burladingen. Mittelständischer geht es nicht. 1.200 Beschäftigte, alles komplett eigenkapitalfinanziert. Der Mann ist über 80, seine Frau 24 Jahre jünger. Er will Trigema zunächst ihr vererben, sie dann ihren beiden Kindern – so wie es die traditionelle Erbfolge vorsieht. 2x Erbschaftssteuer hintereinander von sagen wir je 10% macht am Ende eine Vernichtung von 19% (ja, bitte genau nachrechnen) des Eigenkapitals. Nicht der privaten Villa – das ist ja tatsächlich vollkommen egal, wenn solch vermögende Personen einen kleinen Beitrag von Ihrem privaten Vermögen abdrücken. Aber Trigema als ganze Firma IST das private Vermögen von Grupp. Soll er (oder seine Erben) also wegen des Generationswechsels 228 Mitarbeiter auf die Straße stellen und 19% des Firmenareals verkaufen, damit er die Erbschaftssteuer bezahlen kann?
Solche Diskussionen braucht man mit der linken Meschpoke nicht zu führen. Die werden es nie kapieren!
Muss die AfD sich fürchten?
Die AfD muss sich zunächst und zu allererst vor ihrer eigenen Führungsriege fürchten. Auf diversen Telegram-Kanälen kursierten Bilder eines T-Shirts mit Weidel und Wagenknecht mit je einer Gesichtshälfte zu einem Konterfei zusammenkomponiert. Das wurde alles wieder eilig einkassiert. Aber ganz im Ernst – für mich ist eine Zusammenarbeit dieser beiden Köpfe absolut vorstellbar. Aber nicht für die vielen fleißigen Bienen an der Parteibasis.
Die werden nämlich sehr schnell bemerken, dass Wagenknecht eine durch und durch rot eingefärbte Linke ist. Warum äußert sie sich in der Pressekonferenz nur so lavierend über die Zuwanderungsfrage – eines der drängendsten Probleme momentan? Und warum kommt dieses Thema in den vier oben genannten Punkten nicht vor?
Na klar, um Bürger, die bis gestern noch überlegt haben die AfD zu wählen, es aber nicht aus innerer Überzeugung tun würden – die einfachen Protestwähler – abzugreifen, ohne diesen klar ihre eigentliche Ideologie offen darzulegen. Kein Wort über den leider viel zu bedeutenden Genderwahn und die Umerziehung (Transformation) des Volkes.
Hufeisentheorie
Nach der Hufeisentheorie sollten sich an den äußersten politischen Rändern wieder so viele Übereinstimmungen ergeben, dass es für eine Zusammenarbeit reichen würde. Daher meine Befürchtung von oben, dass wir uns zuallererst vor den Parteigranden der AfD in Acht nehmen müssen. Das wird aber alles die Zukunft zeigen. Ich sehe eher das Moment der zerdrückenden Umarmung der Wagenknecht-Partei ausgehend von der SPD und den Grünen, da mit Wagenknecht auch das alte SED-Problem weg ist, und es nun absolut keinen Grund mehr gegen rot-rot-grün gibt.
Die Sonntagsfrage
So wird die nächste Sonntagsfrage für die AfD vielleicht um 5 Prozentpunkte niedriger ausfallen – aber dann haben wir endlich das korrekte Abbild der Stimmungslage. Wagenknecht wird mindestens die Hälfte der alten Linken einsammeln, 5 % von den Grünen und mindestens 10 % des alten Wählerpotentials der SPD.
Wird ihr das Heft früher oder später aus der Hand gerissen?
Ohne Gysi war die Linke lange undenkbar, die Luschen Bartsch, Kipping, Riexinger, Wissler und Schirdewan hatten und haben nicht die Kraft, zu begeistern – und Wagenknecht drehten sie das Mikrofon ab. Wann war sie zuletzt im Bundestag zu hören?
Bei einer Hybris ihrer Ausprägung und ihres durchaus für sich gewinnenden Charakters, konnte das nicht folgenlos bleiben. Aber wie oft wurden schon Unternehmungen dem Gründer aus der Hand gerissen. Da ist auch die AfD nicht frei von Schuld – siehe Bernd Lucke.
So kann das auch als recht kurzes – wenn auch heftiges – Strohfeuer nach wenigen Jahren alles wieder vorbei sein. Schließlich ist diese Parteigründung auf einen einzigen Kopf ausgerichtet. Alle Mitstreiter werden nur Statisten sein. Das Wort Führerkult werde ich hier nicht hinschreiben.
So rate ich zum absolut professionellen Umgang mit einem neuen, aber endlich ernstzunehmenden Gegner, der die nächsten Wahlen ganz schön aufmischen wird.
Bild von Jürgen Scheffler auf Pixabay


Eine Antwort zu “Herzlich willkommen zurück!”
15.12.2023: hier der erste Newsletter der verschickt wurde im originalen Wortlaut:
Liebe Freundinnen und Freunde,
vielen Dank für Ihr Interesse am Bündnis Sahra Wagenknecht! Wir freuen uns sehr, dass wir heute unseren ersten Newsletter an Sie verschicken können. Wir werden Sie über diesen Weg in Zukunft regelmäßig informieren.
Viele denken zu Recht, dass es politisch so nicht mehr weiter gehen kann. Die desolate Ampel treibt die Politikverdrossenheit auf neue Rekordhöhen. Gerade hat sie für ihre unseriöse Haushaltsführung eine schallende Ohrfeige vom Bundesverfassungsgericht erhalten. Und was fällt der Ampel nun ein, um die Haushaltslöcher zu stopfen? Auf dem Prüfstand stehen nicht etwa die erheblich gestiegenen Ausgaben für das Militär oder die kürzlich auf über 8 Mrd. Euro fürs nächste Jahr verdoppelten Waffenlieferungen an die Ukraine. Auch das unsinnige Heizungsgesetz kommt auf keine Streichliste.
Stattdessen soll alles noch teurer werden. Die Anhebung des CO2-Preises, die die Preise beim Heizen und Tanken weiter in die Höhe treibt, ist in Wahrheit eine milliardenschwere Steuererhöhung, die die Menschen ärmer machen und die Inflation anheizen wird. Und das zusätzlich zur bereits beschlossenen Anhebung der Mehrwertsteuer auf Gas, Fernwärme und Gastronomie und dem Auslaufen der Preisbremsen zum Ende dieses Jahres. Die Ampel lässt Otto Normalverbraucher die Haushaltslöcher stopfen und die Freiräume dafür schaffen, noch mehr Waffen an die Ukraine zu liefern.
Damit diese inakzeptable Politik endlich beendet wird, braucht es eine neue Partei, die sich für wirtschaftliche Vernunft und soziale Gerechtigkeit, für Frieden, Diplomatie und Meinungsvielfalt stark macht!
Neue Politik für Deutschland!
In der ersten Januarhälfte werden wir diese Partei gründen und am 27.1.2024 wird unser erster Parteitag stattfinden. Wir machen uns auf den Weg dieses Land zu verändern und wieder erfolgreich zu machen. Packen wir es gemeinsam an! Um die neue Partei zu einem Erfolg werden zu lassen, brauchen wir Ihre Unterstützung! Herzlichen Dank an alle, die bereits an uns gespendet haben
Gerade haben sich unsere zehn Abgeordneten als Gruppe im Deutschen Bundestag konstituiert – mit Sahra Wagenknecht als Vorsitzender, Klaus Ernst als Stellvertreter und Jessica Tatti als parlamentarischer Geschäftsführerin. Damit ist ein weiterer Schritt getan, um denjenigen die sich von keiner Partei mehr vertreten fühlen, eine Stimme im höchsten deutschen Parlament zu geben. Vernunft und Gerechtigkeit müssen endlich in die deutsche Politik zurückkehren! Aufzeichnung des Pressestatements von Sahra Wagenknecht zur Konstituierung der Gruppe.
Bei Millionen Familien bleibt die Wohnung kalt
Amira Mohamed Ali:
Laut Statistischem Bundesamt heizen 5,5 Millionen Bürger ihre Wohnung aus Geldmangel nicht mehr ausreichend. Das sind doppelt so viele wie 2021! Deutlicher lässt sich kaum belegen: Der Wirtschaftskrieg gegen Russland geht zulasten der Bürger und der deutschen Wirtschaft. Schluss mit diesem Wahnsinn! Wir brauchen endlich wieder bezahlbare Energiepreise!
Im Illner-Talk „Not-OP am Haushalt – wen macht die Ampel arm?“ diskutierte Sahra Wagenknecht u.a. mit dem CDU-Generalsekretär Linnemann und dem SPD-Generalsekretär Kühnert und übte deutliche Kritik am Kurs der Politik:
„Was mich in der aktuellen Debatte auch stört: Wir reden immer nur überBelastungen, die Otto Normalverbraucher treffen würden, über Kürzungen bei armen Kindern, Rentnern und Arbeitslosen. Dabei leben wir in einer Gesellschaft, in der sich immer mehr Reichtum am oberen Ende konzentriert. Die 500 Reichsten verfügen inzwischen über ein Vermögen von 1.100 Milliarden Euro. Mit einer Solidaritätsabgabe von nur 5 Prozent auf dieses Vermögen ließen sich Einnahmen von 55 Milliarden Euro erzielen.“ Die ganze Sendung ansehen.
Grüne sind elitär und abgehoben
Christian Leye:
Mitten in der Inflation Menschen über höhere Preise zu einem anderen Verhalten erziehen zu wollen, klappt nur dort, wo die Einkommen hoch genug sind. Die Grünen predigen Verzicht – aus einer Position heraus, in der sie selbst sich das leisten können. Wir brauchen Konzepte, die nicht über höhere Preise und den privaten, grünen Konsum funktionieren.
Dankeschön!